Irrlichter im Donaumoos

04.04.2022 08:29

Ein kleines Wagnis war es schon. Würden die Schülerinnen und Schüler interessiert und konzentriert einer rund halbstündigen Lesung zuhören? Die wenigsten von ihnen greifen laut eigener Aussage regelmäßig zum Buch, sondern schauen sich lieber Netflix-Serien an. Mit Alexander Golling hatte die Neuburger Berufsschule einen Krimi- und Mystery-Autor aus der Region eingeladen, der inzwischen fünf Bücher veröffentlicht hat und bei der Ullstein-Verlagsgruppe unter Vertrag steht. Golling las die Kurzgeschichte „Irrlichter“ aus seiner 2020 erschienenen Sammlung „Creszentia“ vor. Darin geht es um einen überheblichen Bankmanager, der auf einer Fortbildung im Donaumoos durch mystische Erlebnisse wieder geerdet wird. Wie so oft in Gollings Geschichten verschmelzen hier Gegenwart, Geschichte und heimische Landschaft, die der Autor auf seiner roten Vespa regelmäßig erkundet. Mucksmäuschenstill folgten die angehenden Bürokaufleute und Verkäufer den düsteren Zeilen. Zwei weitere Schulklassen waren online zugeschaltet worden.  

Ebenso spannend wie der Vortrag gestaltete sich die anschließende Fragerunde. Golling plauderte aus dem Nähkästchen, schilderte seine zunächst erfolglosen Bewerbungen bei Verlagen, das Überwinden von Schreibblockaden und sein von Kindheit an bestehendes Faible für das Finstere und Unerklärliche. In jungen Jahren schrieb er Songtexte für seine damalige Rockband „Eternal Darkness“. Aktuell sitzt er an einem zweiten Band von Kurzgeschichten, die wieder in der Region spielen werden. Die Ideen gingen ihm nicht so schnell aus, so der Autor auf die Frage einer Schülerin. Sollte er einmal einen echten Verkaufshit landen, würde er durchaus seinen Hauptberuf zurückfahren. Golling arbeitet als Heilerziehungspfleger in einer Behindertenwerkstätte.